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Sophistereien 16.05.20

Der Sophist hatte sich ja eigentlich vorgenommen, einen Text zu schreiben, in dem das Wort „Corona“ nicht vorkommt – und schon ist es passiert. Ein Leben ohne Corona ist möglich, aber sinnlos. Zu sehr beherrscht dieses kleine Virus inzwischen unser Denken. Man wacht mit dem Virus auf und geht mit ihm schlafen. Bei einigen Zeitgenossen scheint es allerdings, als würde Corona weniger ihre Lungen, denn ihre Hirne befallen. „Das Bedenklichste in unserer bedenklichen Zeit ist, dass wir noch nicht denken“, lehrte Heidegger einst. In dem „noch nicht“ drückte sich zumindest die Hoffnung aus, dass wir irgendwann werden denken können.  Der Sophist hat da so seine Zweifel. Erst vorige Woche hatte er sich ja ein wenig über die Verschwörung der Verschwörungstheoretiker lustig gemacht. Doch die Sache ist ernster als gedacht. Gibt es doch Menschen, die das Nichtdenkenwollen zu ihrer Lebensmaxime erkoren haben, die sogar stolz darauf sind, sich in aller Öffentlichkeit als Idioten zu präsentieren. Und es schadet ihnen nicht, es nützt ihnen. Das Internet bietet besonders denen eine Plattform, die nichts zu sagen haben, das aber laut, damit die anderen Idioten es hören und ihnen alles glauben. Platon war ja ein Gegner der Demokratie, weil er der Meinung war, dass in der Demokratie die Idioten die Mehrheit hätten. Das klingt anmaßend und arrogant und Karl Popper hielt Platon deshalb für einen totalitären Denker. Doch wenn heute den ganzen Schwachsinn so hört, der da verbreitet wird,  ertappt man sich dabei zu denken: So falsch lag der olle Platon nicht!