Kategorie-Archiv: Sophistereien

Sophistereien Folge 3

Dass das Leben endlich ist, quasi jeden Augenblick vorbei sein kann, ist eine Tatsache, die uns zwar bewusst ist, die wir jedoch in unserem alltäglichen Treiben geschickt zu verdrängen verstehen. Es sterben immer nur die anderen. Man selbst natürlich nicht. Es geht immer weiter. Morgen ist auch noch ein Tag. Heidegger hielt diese Flucht vor dieser letzten Wahrheit für einen negativen Existenzmodus. Uneigentliche Existenz nannte er das. Im Gegensatz zur eigentlichen, in der der Tod ständig im Bewusstsein präsent ist. Den Tod zu verdrängen, ist jedoch lebenswichtig. Wer kann schon den Tag beginnen mit dem Gefühl, es könnte der letzte sein? Und herumzulaufen wie ein zum Tode verurteilter in seiner Zelle?

Die Pandemie hat dafür gesorgt, dass es der Tod in die Hauptnachrichtensendungen geschafft hat.

Man muss sich von dem Gedanken befreien, dass das eigene Leben einen Sinn hat. Überhaupt ist die Bedeutung des Wortes „Sinn“ völlig unklar. Wäre man nicht geboren, was würde der Welt fehlen? Trotzdem kein Grund zum Pessimismus: Nur die Erkenntnis, dass es auch ohne einen selbst weiter geht.

Sophistereien Folge 1

Wir streben einem freudlosen Zeitalter entgegen: Einem Zeitalter des Verzichts. Genuss ohne Reue. Das war gestern. Morgen wird gelten: Kein Genuss ohne Reue. Der Typ des Miesepeters, der des Salz in die Wunde Streuers, der des am Leid der Welt Verzweifelnden, der des zur Umkehr Mahnende, wird endgültig die Macht ergreifen. Natürlich ist er ein guter Mensch. Er tut alles für eine bessere Welt, für die zigfach nachfolgenden Generationen. Wer will  es da schon wagen, ihm zu widersprechen?

Der Sophist wäre gestern beinahe von einem Elektroauto überfahren worden. Er hatte es beim Überqueren der Straße schlicht nicht gehört. Lautlos hatte es sich angeschlichen von links und um ein Haar wäre es vorbei gewesen mit ihm.

Der alte weiße Mann erscheint ja ohnehin als Auslaufmodell. Zukünftig wird es ihn nur noch im Museum geben – ausgestopft.