Alle Artikel von Sophistereien

Sophistereien 30.5.20

Von einer weit gefährlicheren Pandemie redet heute der Sophist: Ich meine die virale Verbreitung des Gendersprechvirus. Es ist fraglich, was schlimmer ist: Corona oder Gendersprech? Klar: Corona kann zu schweren Krankheiten, gar zum Tod führen. Aber die Gendersprache zerstört unsere Kultur. „Sprache ist das Haus des Seins, in dem der Mensch wohnt“, lehrte schon Heidegger . Doch was ist aus unserer schönen Deutschen Sprache, um die uns so viele beneiden, die Sprache der Dichter und Denker, geworden? Es grenzt schon an ästhetischer Zumutung, wenn sich besonders der ÖRR hier als Musterschüler des von Genderwissenschaftlern (der Sophist bestreitet, dass es sich hierbei um Wissenschaft handelt) ausgeheckten Unfugs präsentieren will. So war letzte Woche bei der Talkshow von Anne Will von „Gästinnen“ und „Steuernzahlenden“ die Rede. Abgesehen davon, dass die Grüne Baerbock mit „Steuerinnenzahler“ einen echten Baerbock schoss, müsste es doch hier einen Aufschrei geben. Wo bleibt das metoo für Sprachvergewaltiger? Ja; Man muss das so klar sagen. Eine Vergewaltigung der Sprache und auch der Menschen. Es soll ihnen eine Sprechweise aufgezwungen werden, die jeder natürlich gewachsenen Sprechweise widerspricht. Der ÖRR versteht sich dabei in der Rolle des Erziehungsberechtigten. Der gesamte ÖRR: Denn es ist ja nicht nur Anne Will: Man muss nur mal den Deutschlandfunk hören, früher Meister des geschliffenen Worts. Heute wimmelt es nur so vor Sternchen und Partizipien, das einem schwindlig wird. Empört euch

Sophistereien 23.05.20

Der Sophist bemerkt eine sich beinahe viral verbreitende Begeisterung der Angestelltenklasse über das Homeoffice. Endlich nicht mehr täglich ins Büro, endlich nicht mehr ausgesetzt den Launen der Kollegenschaft, des Chefs. Kein Bürotratsch, kein Mobbing, kein metoo mehr. Herrliche Zeiten: Gemütlich sitzt man stattdessen im Pyjama zuhause am Schreibtisch und arbeitet. Mehr Freiheit, weniger Kontrolle, so lautet das Versprechen. Und nicht zuletzt ist es auch gut für die Umwelt, wenn man nicht mehr täglich zur Arbeit fahren muss.  Eine verführerische Idee, besonders für die Unternehmen, sparen sie doch viel Geld, müssen sie nicht mehr für jeden Mitarbeiter oder für jede Arbeit einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen. Wozu braucht man überhaupt noch Gebäude, in denen das Unternehmen diese Arbeitsplätze zur Verfügung stellt? Ein Briefkasten dürfte zukünftig reichen. Das böse Wort „Briefkastenfirma“ erhält eine völlig neue, positive Bedeutung. Bewirbt sich demnach jemand um eine Stelle, dann wird es nicht mehr nur darauf ankommen, ob der potenzielle neue Mitarbeiter qualifiziert ist für den Job, sondern auch, ob er ein Büro mit entsprechender Ausstattung mitbringt. Schreibtisch, Computer, Videokamera für virtuelle Meetings usw. Das Wichtigste aber: Bringt er auch eine hohe Flexibilität mit? Ist er bereit, abends und am Wochenende zu arbeiten? Ist der Arbeitsplatz erst einmal zu Hause, dann gibt es auch keinen Feierabend. Dann ist immer irgendwie Arbeitszeit. Ein Traum wird wahr. Die Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit wird aufgehoben, sowie auch, alte Forderung der Linken, das Private öffentlich sein soll. Offenbart sich also die schöne neue Arbeitswelt am Ende als Hölle?

Sophistereien 16.05.20

Der Sophist hatte sich ja eigentlich vorgenommen, einen Text zu schreiben, in dem das Wort „Corona“ nicht vorkommt – und schon ist es passiert. Ein Leben ohne Corona ist möglich, aber sinnlos. Zu sehr beherrscht dieses kleine Virus inzwischen unser Denken. Man wacht mit dem Virus auf und geht mit ihm schlafen. Bei einigen Zeitgenossen scheint es allerdings, als würde Corona weniger ihre Lungen, denn ihre Hirne befallen. „Das Bedenklichste in unserer bedenklichen Zeit ist, dass wir noch nicht denken“, lehrte Heidegger einst. In dem „noch nicht“ drückte sich zumindest die Hoffnung aus, dass wir irgendwann werden denken können.  Der Sophist hat da so seine Zweifel. Erst vorige Woche hatte er sich ja ein wenig über die Verschwörung der Verschwörungstheoretiker lustig gemacht. Doch die Sache ist ernster als gedacht. Gibt es doch Menschen, die das Nichtdenkenwollen zu ihrer Lebensmaxime erkoren haben, die sogar stolz darauf sind, sich in aller Öffentlichkeit als Idioten zu präsentieren. Und es schadet ihnen nicht, es nützt ihnen. Das Internet bietet besonders denen eine Plattform, die nichts zu sagen haben, das aber laut, damit die anderen Idioten es hören und ihnen alles glauben. Platon war ja ein Gegner der Demokratie, weil er der Meinung war, dass in der Demokratie die Idioten die Mehrheit hätten. Das klingt anmaßend und arrogant und Karl Popper hielt Platon deshalb für einen totalitären Denker. Doch wenn heute den ganzen Schwachsinn so hört, der da verbreitet wird,  ertappt man sich dabei zu denken: So falsch lag der olle Platon nicht!