Archiv für den Monat: April 2020

Sophistereien 25.04.20

Hurra. Der Sophist zeigt sich erfreut darüber, dass es endlich wieder Klimademos gibt, leider nur online, was bedeutet, dass die wohlstandsverwahrloste Jugend vor ihren in China billig produzierten Handys und Computern sitzt und Youtube Videos schaut. Das nenne ich denn mal einen intelligenten Streik. Streik ist ja eigentlich ein Mittel im Arbeitskampf, um höhere Löhne oder bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Man könnte natürlich ketzerisch fragen, warum Menschen, die nicht arbeiten, streiken? Stimmt, weil es um die Klimaerwärmung geht. Die ist gefährlich – gefährlicher als Corona. Wir sollten da, empfiehlt uns die heilige Greta, auf die Wissenschaft hören. Wirklich? Die sagt doch in Sachen Corona jeden Tag etwas anderes. Nicht selten, dass einige dieser Virologen (das ist ein gefährliches Virus), die wie Untote durch die Talkshows geistern, sich innerhalb kürzester Zeit mehrfach selbst revidieren.  Klar, würde man vermuten: Wissenschaft ist eben nicht mehr als Spekulation, ein in die Glaskugel schauen mit seriösem Anstrich. Außer bei der Klimaerwärmung: Da ist es anders. Da weiß man schon jetzt, wie sich das Klima in den nächsten 100 Jahren entwickeln wird, dass der Mensch schuld sei an der Klimaerwärmung und diese wiederum zur Apokalypse führen wird. Da sind sich alle Wissenschaftler einig. Jeder Zweifel ausgeschlossen.

Sophistereien 18.04.20

Es lohnt sich, besonders in Corona verseuchten Zeiten mal wieder Schopenhauer (1788 – 1860) zu lesen.  Sein Hauptwerk, „Die Welt als Wille und Vorstellung“, veröffentlichte dieser bereits 1819 mit knapp 31 Jahren.  Darin entfaltet der Buddha aus Frankfurt die Idee einer Welt als Vorstellung einerseits „für mich“ und einer Welt andererseits als Wille „an sich“. Da die Welt nur eine Vorstellung vermittelt durch die Sinne ist, können wir nichts über das wahre Wesen der Dinge wissen. Anders verhält es sich mit dem Willen:  Diesen Willen erfahren wir unmittelbar an uns selbst, vermittelt durch unseren Körper. Immer, wenn wir etwas wollen, und wir wollen ständig etwas, waltet dieser Wille in uns, objektiviert sich in uns, und nicht nur in uns. Der Wille ist die treibende Kraft des Seins, das Prinzip der Welt, ohne Sinn, ohne Ziel, er ist das einzig Reale. Alle Dinge, die als Vielheit wahrgenommen werden, sind bloße Erscheinungsformen dieses einen Willens, sind somit nichts als bloße Illusion.  Schopenhauer geht noch weiter  und  macht auch vor unserem Selbstverständnis als Person nicht halt: Das autonome Subjekt, Vernunft, freier Wille, dazu Gefühle wie Liebe, Glück, Hoffnung, sind lediglich Schimären im Dienst des einzigen, blind wütenden Willens. In der Welt sein heißt, leiden, ausgesetzt sein (selbst dem Virus) dem ewigen Kreislauf aus Werden und Vergehen, und niemand kennt die Antwort auf die Frage: Wozu das alles? Schopenhauer, der sich viele Jahre mit indischer Philosophie beschäftigt hat, greift hier in seinem Konzept wesentliche Elemente im Denken der alten Inder auf, für die die äußere Welt Maya (Illusion) ist, und die es zu überwinden gilt, vorrangig durch Askese. Das Ziel muss sein, die Macht des Willens zu beschränken. Der Mensch muss reines, willenloses Subjekt der Erkenntnis werden und eine kontemplative Haltung zum Weltgeschehen einnehmen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Kunst. Denn Kunst, das Werk des Genies, ist die Betrachtung der Dinge, ist unabhängig von Kausalität, ist unabhängig vom Willen. Erst wenn ich nichts mehr will, absichtslos existiere, kommt auch dieser Wille in mir zur Ruhe.

Sophistereien 11.04.20

Was kommt nach Corona? „Nichts wird mehr so sein wie es war“, sagte einst Hans Dietrich Genscher nach dem Fall der Mauer. Und dieses „Nichts wird mehr so sein wie es war“ gilt nach Ansicht des Sophisten auch für die Zeit nach Corona. Nachdem die bloß phantasierte, unreifen Hirnen entsprungene Apokalypse (Weltuntergang infolge Klimaerwärmung) ausgeblieben ist und wir die reale (tödliche Pandemie) überlebt haben, sollte sich auch unsere Einstellung zum Leben vollkommen verändern: Da rackert man sich ab, rennt ins Fitnessstudio, macht Diäten, übt sich in Askese, will jeden Tag die Welt ein bisschen mehr retten, und dann kommt so ein kleiner Virus und konfrontiert uns mit der Endlichkeit der Existenz. Wir haben es eigentlich schon vergessen, weil es das in der Werbung nicht gibt.  „Dasein ist Sein zum Tode“ (Heidegger).  Wir denken, dass wir ewig lebten, dass unser Leben einen Sinn haben müsse, dass wir die Krone der Schöpfung seien, dass der Weltgeist durch uns hindurchwehe. „Ätsch“, meint da klein Corona, „nichts seid ihr, wir werden euch vernichten!“ Diese Nichtigkeit der eigenen Existenz zu begreifen, wäre eine heilsame Erkenntnis. Der Sensenmann kann jederzeit an unsere Tür klopfen, so sehr wir uns auch abmühen. Was folgt daraus? Vergessen wir die Zukunft, denn dort lauert der Tod. Sorgen wir uns nicht um die Natur, sie sorgt sich auch nicht um uns. Verzichten wir auf Verzicht. Leben wir jeden Tag, als wäre es der letzte Tag!